Geschichtn aus Kesslwold

Erzählt von Josef Bartl

Dr Edewerd on de Gortnzaim

Dr Mauerer Edewerd, e gelerntr Tischler un spetr Eisnbohnr, wor e racht gemütlichr Moh. In sein longa Lahm seina su ollerhond Stickla possiert, die er dann beim Hutzngieh oft salbr racht ausfiehrlich drzehlt hot un met de onnorn Hutznleit driebr gelocht hot. Emoll im Winter, ar is grod vo dr Boh hamkomma, socht sei Frah, es Tonerla: Edewerd, mir hom ka Gasöl (Petrolium) mehr, gieh ner zen Schmiedl Kafmoh un hol ans. „Chio, chio“ socht dr Edewerd, gam mr ner de Konn, ich gieh gleich.
Bis zen Schmiedl Kafmoh worns su 400 Meter. Wie dr Edewerd dot wor, hot ar sich erscht es Gasöl gam losn.Dann wollt ar obr noch en Faustpensl (1/8 Kornschnaps). Ols rachtr Eisnbohnr hot ar obr met an Faustpensl net gelongt. Un su seis holt mehr worn. Wie ar dann doch ham wollt, wors schu gonz finstr. Ar hot de Gasölkonn genumma, socht „Gute Nocht“ un is gonga. Weils drausn su finstr wor un es e bissl geschneit hot, kunnt ar des Steigl, des ze ihn ham gonga is, net racht sah. Ar denkt sich, do gieh ich gleich ibers Fald ham. Ar gieht net long, do kemmt es Gortnzaum. Dr Edewerd steicht driebr un gieht weter. Noch ner Weil kemmt wiedr e Gortnzaum, ar steicht wiedr driebr un gieh weter.
Un su sei holt bol 20 Gortnzaim komma bis ar drham wor. Sei Tonerla hot e bisl gebrummt, obr se hotn jo gekennt. Dr Edewerd hot ar des vo de Gortnzai drzehlt unsocht ze ihr: “Weck mech ner morg frieh e holbe Stund eher auf, iech will sah  wu die vieln Gortnzai sei“. Un richtig, ar is frieh  seiner Spur noch gonga, es hot nemmr geschneit. Bis zen Hersch Johann is de Spur grodaus gonga, obr von Hersch Johann bis zen Schmiedl Kafmoh is e Zaum gewasn. Un do is ar im Kreis gonga un su bol 20 mol ibr dan Gortnzaum driebr gestieng.
 

Dr verschwiegene Hund

Dr Maurer Edewerd un dr Kor Tona worn gute Freind. Se hom a net weit ausenonnr gewohnt.
Es is ka Toch vorgonga, wu se net beinonnr worn un metenonner gered hom. Dr Kor Tona hot en grußn Hund kot,en Dobrmoh, dar wor a emmr miet beim  Edewerd. Es is a oft vurkomma, dass blus dr Hund zen Edewerd komma is. Su is dar Hund, Nero hor ar gehasn, wiedr amol komma wie dr Edewerd sich wos zen Assn gemocht hot. Offn Tiesch loch Buttr, Brot, Quork un sunst noch wos. Dr Hund hot neigierich zugeguckt un in an Moment wu dr Edewerd e por Schriet fort wor, de Buttr gefrassn.
Wie dr Edewerd sich wiedr emgedreht, hot ar des Unglick gesah. Obr dr Hund wor fort. Ar is zen Kor Tona gonga un hot gesocht: „Du, Tona, dei Hund hot fei  mei Buttr vo mein Tiesch runtr gefrassn“. „Su“ sot dr Kor Tona, „etza sat sech ner des Ludr oh, grod is ar ham komma, hot obr nischt gesocht“.
 

Dr Tonl un de Fresch

Dr Tonl wor e Mauerer, ka Ferscht, un e rachtschoffener un gutmietigr Moh. Mer es Bier hot  dr Tonl fir sei Lahm garn getrunkn. Sei Resl hot do oft ihr Kreiz met ihn kot. Or wor obr nie ausfellich, a wenn ar e poor Holbe getrunkn kot hot. E mol hot´n de Resl noch Quork ens Dorft niebr geschickt.
Dr Tonl  is gonga, hot dan Quork ben Bauern geholt un wollt wiedr ham. Obr do hot ar en „Gemsjäger“, e Wertshaus, gesah. En Tonl hots holt neigezugn. Ar konnt net onners. Es wor scho finstr wie ar dann aufgebrochn is. Hamwerts is ar ben Zollhaus on Teich vorbei komma. Dort hom de Fresch grot Musich gemocht un laut „Quaak,Quaak“ geschriern. Dr Tonl hot „Quark“ verstondn un is offn Sta, da ibern Boch ols Brick gelecht wor, stieh gebliem un hot ze dana Fresch gesocht: „iech ho doch schu dan Quork“.
De Fresch hom wiedr „Quaak, Quaak“ geschriern.  Dr Tonl hots ihna nochamol gsocht, obr de Fresch hom holt wiedr „Quaak, Quaak“ geschriern. Do hot dr Tonl dan Quork, ar wor en an Tichl drenna, genomma un en Teich ze de Fresch nei geschmissn. De Fresch sei erschrockn un ho kann Ton mer gesocht.
Dr Tonl hot des obr onners verstondn. Eh ar wiedr wedrgonga is sochtar ze de Fresch: „Eich Ludr muss mer erscht olles zeign, befur ihr an wos glabt“.  Hots gesocht un is zefriedn ham gewocklt.

Allgemeine Erklärung zum „ens Dorf niebr“.
Köstelwald lag an zwei Hängen. Durch den Tiefpunk  floss ein Bach und teilte das Dorf so in zwei Hälften.
Der Ortsteil nördlich des Baches (Richtung Orpuser Höhe) wurde als „Sachsen“ bezeichnet, der Ortsteil südlich des Baches (Richtung Reischdörfer Höhe) hieß „Preußen“. Satt Sachsen sagte man auch „ens Dorf niebr“ und statt Preußen sagte man auch „ens Dorf nauf“. „Preußen“ lag höher als „Sachsen“.
- ens Dorf niebr = ins Dorf hinüber
- ens Dorf nauf  = ins Dorf hinauf