Aus einer alten Chronik

Weigensdorf

Die Gemeinde Weigensdorf besteht aus den Ortschaften Weigensdorf und Rödling. Das gesamte Gemeindegebiet umfaßt 859 Hektar und zählt 79 Häuser mit 411 Einwohnern (203 männlich, 208 weiblich). Der niedrigste Gebietsteil der Gemeinde hat eine Seehöhe von 590 m; die höchste Erhebung geht über 1000 m hinaus.
Da der Wald gegen 80% der Bodenfläche ausmacht, ist die Landwirtschaft unbedeutend. Nur wenige Kleinbauern, deren Besitz meist auf steilen Hängen liegt, leben mühsam vom kargen Ertrag der Scholle.
Weigensdorf und Rödling sind Arbeiterdörfer. Allerdings finden nur die wenigsten Leute in ihrer Heimatgemeinde Verdienst. Der einzige Betrieb in der Gemeinde ist der Rödlinger Kalkbruch, auch die Forstwirtschaft beschäftigt etliche Arbeiter. Der Großteil der Arbeiter aber geht nach auswärts in die Industriebetriebe von Pürstein, Klösterle, Schmiedeberg und Weipert. Manche finden auch als Bauarbeiter Beschäftigung. Viele Frauen und Mädchen sind Heimarbeiterinnen, Sie klöppeln Spitzen oder erzeugen Posamenten und Handschuhe.
Die Gemeinde hat ein Bürgermeisteramt eine 2klassige Volksschule (Sitz Weigensdorf) und eine Försterei. Weigensdorf und Rödling gehören zum Pfarrsprengel Pürstein. Die Gemeindebücherei zählt 220 Bände. Kulturelle Einrichtungen, wie Wasserleitung, elektrisches Licht, Sport- und Spielplatz, Bad usw sind in Weigensdorf nicht zu finden.
Die Ortschaft Weigensdorf zählt 62 Häuser. Der Ort ist alt; er gehörte ursprünglich zur Probstei Wotsch, welche von dem Benediktinerkloster Postelberg auf dem vom König Wladislaw I- (1109-1125 gestifteten Gebiete angelegt wurde.
Das Kloster rief Niederländer (Wiekmänner) zur Kolonisation ins Land und diese gründeten die Orte Wotsch, Warta, Boxgrün, Kleingrün, Endersgrün, Weigensdorf u. a.
Als die Probstei Wotsch um das Jahr 1348 durch ein Unglück zu Grunde gegangen war, kam Weigensdorf zur Herrschaft Hauenstein-Himmelstein. Nach der Schlacht am Weißen Berge kam Weigensdorf zur Herrschaft Klösterte (1623). Bis 1848 unterstanden die Bewohner von Weigensdorf der Grundobrigkeit, soweit sie sich nicht freigekauft hatten. Ab 1849 gehörten Weigensdorf und Rödling zur Gemeinde Kupfer-berg, bis sie 1879 eine selbständige Gemeinde wurden.
Zeitweise wurde im Weigensdorfer Gebiet auch Bergbau getrieben; davon zeugen heute noch Halden, Reste von Stollen und Flurnamen.
Die Ortschaft Rödling zählt 17 Häuser und liegt etwa 750 m hoch am Südhange des Gebirges. Die Geschicke des Ortes Rödling sind mit denen Weigensdorfs ziemlich gleichlaufend. Das bereits erwähnte Rödlinger Kalkwerk liegt fern-ab der Siedlung im Weigensdorfer Tal. Der in Rödling gewonnene Kalkstein kommt zum größeren Teil in die Hochöfen von Kladno, zum kleineren Teil wird er in den Kalköfen zu Aubach bei Pürstein zu Ätzkalk gebrannt. Die Jahresproduktion beträgt bis zu 1000 Waggons.
Für den Naturfreund ist eine Wanderung durch den mächtigen Weigensdorfer Wald sehr lohnend. Vom Forsthaus aus hat man einen herrlichen Blick ins Egertal und zumDuppauer Gebirge.

Herta Hof